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Flensburg

SG Flensburg-Handewitt

Campushalle, Flensburg

        

Reisetag:
    
Montag,
26. Dezember 2011
Spieltag:

Dienstag,
27. Dezember 2011
HBW-Fans:   
1 Bus (nicht voll) + privat
Reisestrecke:  
ca. 900 km (einfach)

    

Ausgangssituation Punkte:




SG Flensburg-Handewitt
26
:
8
HBW Balingen-Weilstetten    
15
:
19

                       

 

2. Weihnachtsfeiertag 2011, 5: 45 Uhr, um die 4°C und noch stockdunkel. Aber am Stadthallenparkplatz steht schon eine reiselustige Gruppe Handballfans samt Gepäck. Die ersten Ohs gehen durch die Reihe, als der HBW-Mannschaftsbus vorfährt. Die Spieler werden nach Hamburg fliegen und so kommen wir in den Genuss von mehr Komfort und Beinfreiheit als normalerweise – was aber bei einer Fahrt quer durch Deutschland in einem Rutsch sehr gerne gesehen wird.
  
Pünktlich um 6:00 Uhr – nachdem die Anzahl der tatsächlich anwesenden Personen auch mit der gezählten Anzahl überein stimmt -  startet der Hölle Süd Tross gen Norden. Bei einem nicht ganz vollen Bus und kleingewachsenen Personen gar nicht so einfach die Sache mit der Inventur. Vor uns liegen laut Navi 903 km bis Flensburg, wo der HBW morgen auf die SG Flensburg-Handewitt treffen wird. Es ist ruhig auf den Strassen und aufgrund des Feiertags sind ja auch keine LKW unterwegs. Nach etwa 2 ½ Stunden gibt es die erste Rast bei Würzburg.
  
Dass Spaß am Handball und an der Handarbeit sich nicht gegenseitig ausschließen wird im vorderen Busdrittel demonstriert. Da wird fleißig an Häkeldeckchen, Wollsocken und einer Patchworkdecke gearbeitet. Kommentare wie „eins links, eins rechts, eins fallen lassen“ bekommt niemand in den falschen Hals und es wird viel gelacht.
   
Bei der nächsten Pause gegen 11:15 Uhr sind wir schon bei Kassel und hier steigt dann auch unser letzter Fahrgast zu. Das Wetter ist teilweise trüb und dann auch trüb und regnerisch aber die Straßen sind weiterhin frei und kurz nach 15:00 Uhr ragen rechts und links der Autobahn die Kräne des Hamburger Containerhafens in den Himmel. Das ging jetzt wirklich flott.
  
Die noch verbliebenen Kilometer werden ebenfalls ohne Probleme bewältigt und so sind wir nach etwas über 11 Stunden inkl. dreier Pausen in unserem Hotel in Flensburg. Das Hotel Arcadia liegt nahe an der Fußgängerzone und dem Wasser. Alles bequem zu Fuß zu erreichen. Die Zeit zwischen Ankunft und Abendessen wird größtenteils zu einem Spaziergang in der Fußgängerzone und entlang des Wassers genutzt. Von der Temperatur her ist es mild, geschätzte 9° -10°C, und trocken aber windig.
  
Verwunderte Blicke treffen auf diejenigen, die plötzlich bei einem Kebab-Laden an der Schaufensterscheibe kleben – wir haben doch für nachher im Brauhaus reserviert und unser Essen schon vorbestellt. Des Rätsels Lösung: im Laden steht ein Fernseher in dem Handball übertragen wird und Gummersbach führt zu dem Zeitpunkt daheim gegen Kiel mit 5:3. Der Betreiber des Ladens wittert angesichts unserer Gruppengröße ein gutes Geschäft und winkt uns herein, doch wir lehnen ab.
 
Obwohl wir erst für 20:00 Uhr reserviert haben, ist ein Großteil unserer Gruppe schon fast eine Stunde früher am Brauhaus Hansen. Die Tische warten schon auf uns, also rein in die gute Stube. Die fröhlichen Unterhaltungen verstummen schlagartig als die per SMS eingetroffene Nachricht die Runde macht: „Martin Ziemer geht nach Gummersbach“ Dann startet die wilde Diskussion – Warum den Gummersbach – warum nicht Hannover? Der HBW steht in der Tabelle doch viel besser da – nach heutigem Stand würde Gummersbach ja absteigen ... und und und! Die Smartphone Besitzer können noch nix im Internet finden. Dann die nächste SMS von der gleichen Quelle „Scherz!“. Ahhh – ein Aufschrei der Empörung bricht sich Bann. „Den zieh ich gleich durchs Telefon“ „Das, das, das...“ und und und. Zumindest bekommt der 19 jährige Scherzbold via SMS Prügel angedroht. Ab jetzt werden eingehende Nachrichten kritischer begutachtet. Die Frage, ob Martin Ziemer jetzt beim HBW verlängert hat oder nicht, ist immer noch offen.
  
Ob jetzt Schnitzel mit Gemüse, Bierkutscher-Steak mit Krautsalat - leichtes Entsetzen: “Was, ich habe was mit Krautsalat bestellt?“ oder Schweinebraten mit Rotkraut -  jeweils mit Bratkartoffeln - das vorbestellte Essen kommt schnell, ist reichlich und mir schmeckt es. Nach dem Essen und weiterem Gelächter werden unterschiedliche Wege eingeschlagen – noch in ein Pub, an die Hotelbar oder aufs Zimmer.
  
Der Dienstag startet mit Nieselregen aber auch wieder mit milden Temperaturen. Silkes Programmvorschlag lautet Phänomenta und da geht auch ein großer Teil unserer Reisegruppe hin. Auf mehreren Stockwerken geht es darum Naturwissenschaft und Technik durch Ausprobieren zu erfahren, wie z.B. die Wirkung eines Flaschenzugs mit unterschiedlicher Anzahl von Umlenkrollen. Soweit ich beurteilen kann, scheint es allen zu gefallen und die ersten Lachsalven lassen nicht lange auf sich warten.
  
Gegen halb / dreiviertel zwei sind wir im Großen und Ganzen fertig in der Phänomenta. Da ist es dann auch amtlich, das Martin Ziemer seinen Vertrag beim HBW um 2 Jahre verlängert hat. Super – also doch nicht Gummersbach ;-).  Die Gruppe zerstreut sich, Richtung Stadt, Richtung Wirtschaft, Richtung Museumswerft / Wasser. Zwischenzeitlich ist es trocken und es kommt sogar noch etwas die Sonne raus.
Für halb sechs steht unser Bus bereit für die Fahrt zur Campushalle. Keine Frage, dass da alle pünktlich da sind. Auf der kurzen Fahrt stimmen wir uns unter anderem mit dem HBW Lied auf das Spiel ein. Da wir ja mit dem Mannschaftsbus unterwegs sind können wir direkt vor der Halle vorfahren und diesen Spaß lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Mit Trommeln und Trompeten machen wir auf unsere Ankunft aufmerksam und dann nix wie rein in die „gute Stube“.
  
Zeitlich liegen wir sehr gut und so kann man in Ruhe noch was trinken, essen oder auch nur die Campushalle mal live in Augenschein nehmen. Gefällt mir gut – die Halle wirkt lebendig und hat was – nicht so kalt und steril wie manch andere größere Halle. Auch mit dem einen oder anderen Fan aus Flensburg kommt man ins Gespräch. Wo genau Balingen den liege, wie weit es denn bis hierher sei, wie lange wir unterwegs waren. Aha, gestern angereist; mit einem Bus voll Leute? Erstaunen in den Gesichtern der Gesprächspartner. Schmunzelnd: aber wir würden uns doch nicht etwa einbilden, dass hier heute für den HBW was zu holen sei. Tja, wir sind halt Fans, die auch zu Spielen fahren, in denen realistisch betrachtet nichts zu holen ist. Wir glauben an unsere Mannschaft, auch wenn es manchmal schwer fällt und hoffen auf ein ordentliches Spiel zum Jahresausklang. Überhaupt kann man mit dem Verlauf dieser Saison als HBW Fan bisher überaus zufrieden sein – die beste Hinrunde überhaupt seit man in der erste Liga spielt!
Dem Hallensprecher mangelt es offensichtlich an sportlicher Fairness. Klar ist der Gastgeber der klare Favorit für dieses Spiel und es stimmt auch, dass der HBW bis auf ein Unentschieden bisher sämtliche Spiele gegen Flensburg verloren hat, aber die Art und Weise, wie er diese Fakten rüberbringt ist einfach eine Frechheit. Nach dem Motto bis auf ein Unentschieden habt ihr ja noch nix gegen uns zustande gebracht. Eigentlich hätte die Mannschaft samt Fans gleich daheim bleiben können. Diese Kommentare stoßen uns ganz schön sauer auf. Die Bemerkung von in etwa „Ja, ja, schreit nur, nachher hört man euch eh nicht mehr!“ ist dann der negative Höhepunkt. Vom Hallensprecher verhöhnt – das ist uns noch in keiner Halle untergekommen.
  
Dann ist es auch soweit – Plätze einnehmen, an die Trommeln und Tröten und Anpfiff. Rolf Brack startet wieder mit seinem jungen 5-1 Abwehrformations-Block: Daniel Wessig (23), Fabian Gutbrod (23), Felix König (21), Kai Häfner (22) und Philipp Keinath (21). Dazu Matthias Puhle im Tor und Jens Bürkle am Kreis. Nach den vielen Spielen in den letzen Wochen seien die Jungen einfach etwas frischer.
  
Direkt vor mir haben Zuschauer in zivil – sprich ohne Fanbekleidung, Schal oder ähnliches – ihre Plätze eingenommen. Ja die werden ihre Freude haben, denke ich mir noch, so mit dem HBW Fanblock mit Trommeln und Tröten im Nacken. Nach ein paar Aktionen auf dem Feld stellen wir jedoch fest, es muss sich um uns unbekannte HBW-Fans handeln. Um da gleich mal klare Verhältnisse zu schaffen wird einfach nachgefragt und so erfahren wir, dass es die Eltern und andere Verwandtschaft von Daniel Wessig sind.
  
So, jetzt dann aber zum Spiel. Unsere Jungs kommen gut ins Spiel, was mal kein schlechtes Zeichen ist. Bis zur 14. Minute und dem 6:5 für die Gastgeber können wir uns nicht beklagen. Doch dann bringt die robuste SG Abwehr den Angriff ins Stocken, eine Unterzahl-Situation, Pfostentreffer, Paraden vom gegnerischen Torwart und verworfene Siebenmeter führen zu einer Torflaute in der die SG Tor um Tor davon zieht und natürlich vom Publikum mehr und mehr getragen wird.
  
Mit einem 17:7 geht es in die Halbzeitpause und es kann jetzt eigentlich nur noch darum gehen, sich ohne Verletzungen und größere Blamagen aus der Affäre zu ziehen. Der Start in die zweite Halbzeit ist auch nicht gerade berauschend. Wiederholt gibt es nur Latten oder Pfostentreffer für den HBW zu verzeichnen. Bis ca. 10 Minuten vor Schluss kann sich der HBW wieder auf die Pausendifferenz von 10 Toren zum 29:19 heranarbeiten aber zu einer einstelligen Differenz reicht es einfach nicht. Beim 35:22 sind die 60 Minuten Spielzeit vorbei und wir feiern unsere Mannschaft trotzdem. Jetzt nicht wirklich für dieses Spiel aber für diese tolle Hinrunde und weil wir halt einfach hinter unserer Mannschaft stehen und gerne Fans sind und uns trotz Klatsche in diesem Spiel freuen können. Ein paar Flensburger Fans regen sich über uns auf, da sie aufgrund unseres Jubels nichts verstehen konnten, als ihr Spieler Thomas Mogensen seine Vertragsverlängerung bekannt gab. Aber das ist uns so was von egal.
  
Es freut uns sehr, dass nach dem Spiel noch Spieler zu uns in den Zuschauerbereich hochkommen und wir einfach noch ein paar Worte wechseln können. Die Mannschaft geht im Anschluss getrennte Wege, zur jeweiligen Nationalmannschaft, zu Verwandtschaft und Benni Herth darf zum All-Star Game nach New York. Der Rest fliegt morgen von Hamburg zurück in den Süden.
Für uns geht es mit dem Bus zurück in Hotel und von dort zu Fuß weiter Richtung Fußgängerzone. Fast unsere ganze Gruppe trifft sich wieder im Cafe Extrablatt in der Flensburger Fußgängerzone. Die Niederlage ist schnell abgehakt – rein ins Abendvergnügen.
  
Der Mittwoch beginnt mit Nieselregen und der Himmel ist wolkenverhangen. Aber bis wir mit dem Frühstück fertig sind, ist es zumindest trocken von oben. Gepäck in den Bus und los geht's. Ein Großteil der Gruppe nutzt die Mitfahrgelegenheit bis zum Busparkplatz. Von dort wollen wir ein Stück dem ausgeschilderten Kapitänsweg folgen. Es bilden sich zwei Gruppen – eine folgt dem Kapitänsweg dem Wasser entlang, die andere nimmt den etwas weiteren Weg zwischen den Häusern durch. Zwischen den Häusern landen wir in urigen schmalen Gässle, die wir sonst sicher nicht entdeckt hätten. Auch ist man hier etwas windgeschützter als am Wasser entlang. Als wir an einem leeren Schaufenster mit der Beschriftung „Wolle und Handarbeitszubehör“ (oder so ähnlich) vorbei kommen, ertönt, mit dem Gedanke an unsere „Handarbeits-Fraktion“, die schon fleißig Wolle hier in Flensburg eingekauft hat, ein „Ach  du meine Güte, den ersten Laden haben sie schon leergekauft.“ Was natürlich für allgemeine Erheiterung sorgt.
  
Dort wo der Kapitänsweg wieder zusammenläuft, treffen wir wieder auf die andere Gruppe. Unser Timing ist hervorragend. Gerade fährt das kleine Boot her für die Hafenrundfahrt. Manche wollten das sowieso machen und so wird schnell entschieden und schon hat der Kapitän eine für diese Jahreszeit wohl ordentliche Anzahl von Passagieren an Bord. Die Kabine ist gut geheizt, während draußen Decken bereitliegen für das „Weihnachts- und Sylvester Überlebenstraining“. Ich bleibe draußen, ordentlich in Decken eingewickelt. Die frische Luft tut gut, zum Fotografieren ist es besser keine Scheibe vor der Nase zu haben und die Temperaturen sind erträglich. Der Kapitän heißt Hansen – wie kann es auch anders sein – und es wird Glühwein und ähnliches angeboten. Die „Tote Tante“ soll es ganz schön in sich haben.
  
Gegen Nachmittag fängt es leider wieder an, immer mal wieder zu Nieseln, schade aber man kann es nicht ändern. Mit Vesper aller Arten ausgerüstet, sind alle überpünktlich zurück am Hotel zur Abfahrt. Die Uhr zeigt noch keine 18:00 und wir sind schon unterwegs. Die Handarbeits-Fraktion hat einen interessanten Wolle-Laden aufgestöbert und fleißig eingekauft. Auf die Frage der Verkäuferin „Ja sind sie denn immer noch da?“ als heute mittag nochmals eine aus unserer Gruppe dort einkaufen war, hat sie ein spontanes „Ne, wir haben nochmals umdrehen müssen damit unsere Frauen mehr Wolle zu kaufen können“ zur Antwort bekommen. Die Handarbeits-Fraktion sorgt auch weiter im vorderen Busbereich für Unterhaltung, weil die Strickergebnisse sich nicht immer so mit der Anleitung decken und so die Strickarbeiten, weil zu groß oder zu klein, wieder aufgezogen werden. Was natürlich nicht ohne leicht lästernde Bemerkungen der männlichen Mitfahrer abgeht.
  
Zum Rest der Rückfahrt gibt es von nicht viel zu berichten. Alles läuft wie am Schnürchen, keine Staus, keine Probleme. Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, dann hält der Bus kurz nach 3 Uhr an der Stadthalle in Balingen. Nach einer kurzen Aufregung taucht ein verschollen geglaubter Koffer doch noch in den Untiefen des Laderaums auf und jeder kann mit all seinem Gepäck zufrieden nach Hause fahren.

Katrin, 21.01.2012